Die künstlerischen und kulturellen Schwerpunkte in Polen wurden in der bewegten Vergangenheit des Landes von den unterschiedlichsten Einflüssen geprägt.

 

Zur Zeit der Adelsrepublik von 1569 bis 1791 lebten unterschiedlichste Bevölkerungs- und Konfessionsgruppen im Staat Polen-Litauen. In der heterogenen Atmosphäre dieses Vielvölkerstaates flossen Elemente aus den unterschiedlichen Kulturen zusammen.
Die drei Teilungen des Doppelstaates Polen-Litauen zwischen 1772 und 1795 führten dazu, dass Polen als unabhängiges Land für über 120 Jahre nicht existierte. Dieser Umstand hat sowohl kulturell als auch im künstlerischen Bereich zu einer großen Vielfalt geführt.

Polnische Kunst und Kultur

Volksbräuche und Brauchkunst in Polen
Kulturelle Bräuche und Sitten haben sich auch in Polen auf die ländlichen Gebiete verlagert. Eine große Rolle spielt die römisch-katholische Kirche. Doch auch vorchristliche Einflüsse spiegeln sich in einigen Bräuchen noch wieder.
Am „Wianki“ – Fest oder auch „Fest der Kränze“, das in der Johannisnacht stattfindet, binden junge Mädchen Blumenkränze und werfen sie ins Wasser. Aus der Bewegung der Kränze wird die Zukunft des Mädchens gelesen.
Dieses Fest sowie auch die Versenkung der Marzenna und der Lajkonik sind Jahreszeitenfeste.
Die Versenkung der Marzenna treibt den Winter aus, indem eine Strohpuppe – die Marzenna, die Winter, Nacht und Tod verkörpert – ertränkt oder verbrannt wird.
Das Lajkonik-Fest ( ein Türkenreiter, der mit einem Streitkolben bewaffnet ist, tanzt mit einer Pferdefigur in der Hand und zieht von Volksmusikanten begleitet durch die Stadt ) wird in Krakau gefeiert und steht in Zusammenhang mit der mongolischen Belagerung Krakaus im 13. Jahrhundert. An dieses Ereignis erinnert auch das - „Hejnał“ - unterbrochenes Trompetensignal – das täglich um 12.00 Uhr in Krakau zu hören ist.
Die klassischen religiösen Feste haben in Polen eine große Bedeutung und werden je nach religiöser Ausrichtung entsprechend zelebriert. So werden in ganz Polen die Sternsinger zwischen 27. Dezember und 06. Januar ausgesandt, an Allerheiligen finden Friedhofsfeiern statt und auch der Palmsonntag wird gebührend begangen.
Besonders zu nennende Feste sind das Fronleichnamsfest in Lowicz, die Mysterienspiele in Kalwaria Zebzydowska, das kaschubische Bootsfest und der Danziger Dominikanermarkt.

Mit den Bräuchen und Traditionen eng verbundene künstlerische Werke sind an erster Stelle die Ikonenmalerei. Bekannt hierfür sind Podlachien, Lublin und das Karpatenvorland. Koronki, das ist eine spezielle Spitzenhäkelkunst, Schnitzereien und erotische Stickereien sind weitere Elemente der traditionellen polnischen Brauchkunst. Krakau und die Goralen sind bekannt für ihre Trachten.

Traditionelle Musik Polens
Tänze wie Mazurkas, Polonaisen, Krakowiaks und Polkas, polnische Kammermusik und jüdischer Klezmer haben in der polnischen Kultur einen festen Platz. Seit Anfang der neunziger Jahre hat sich in Polen eine Musikszene entwickelt, die an die alte Volksmusik anknüpft und diese modern interpretiert. Eine Rolle spielen hier auch alte traditionelle Instrumente, wie zum Beispiel die Suka, eine polnische Geige aus dem 16. Jahrhundert, die mit den Fingernägeln gespielt wird.

Polens Architektur
Hügelgräber und Steinkreise findet man in Polen als älteste architektonische Bauwerke. Als die Vorromanik der Christen im 9. Jahrhundert Einzug hielt, entstanden die ersten Burgen und Kirchen der Polanen, einem westslawischen Stamm, der damals das Gebiet des heutigen Polens bevölkerte.
Die Romanik war die Zeit der Kirchen und Klöster. Sie sind heute noch in vielen polnischen Städten zu bewundern. In der Gotik entstanden in Polen die größte Backsteinkirche und der größte gotische Backsteinbau der Welt. Die Marienkirche liegt am Nogat, die Marienkirche ist in Danzig zu finden.
Im goldenen Zeitalter Polens zwischen Anfang des 12. und Ende des 18. Jahrhunderts entstanden die bedeutendsten Bauwerke des Landes, an erster Stelle ist hier das Wawelschloss in Krakau zu nennen.

Viele bedeutende Bauwerke wurden in den Weltkriegen unwiederbringlich zerstört, doch die erhalten gebliebenen Gebäude zeugen von der Baukunst Polens über die Jahrhunderte hinweg.

Die Entwicklung der Kunst
Jede der Epochen und politischen Umwälzungen des Landes brachte unterschiedliche kreative Strömungen hervor, die die Kunst des Landes mit beeinflusst haben. Die byzantinischen und lateinischen Traditionen haben die polnische Kunst genauso geprägt, wie die Teilungen Polens im 18. Jahrhundert.
Die Offenheit der Polen für die künstlerischen Entwicklungen anderer Kulturen und der daraus entstehende Einfluss auf die eigene Kunst haben zusätzlich zu einem großen Reichtum an Facetten der Kunst geführt.

Entwicklung der bildenden Kunst im Spiegel der Jahrhunderte
Im Bereich der bildenden Künste ist an erster Stelle der Maler Jan Matejko zu nennen. Er schuf im 19. Jahrhundert großartige Historiengemälde. Sein Stil wurde in großem Masse von dem Münchner Maler Wilhelm von Kaulbach geprägt. Ein zentraler Bestandteil seiner Werke war die dritte Teilung Polens.
Der wichtigste Vertreter des Realismus in der polnischen Kunst war der Maler Jozef Chelmonski. Er lebte von 1849 bis 1914 und lebte unter anderem in München und Paris. Nach seiner Rückkehr nach Polen 1887 konzentrierte er sich auf Motive von polnischen und ukrainischen Dörfern sowie Jagdszenen. Die Wiege der modernen polnischen Kunst stand im „Jungen Polen“. Ende des 19. Und Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich die Kunst im Umbruch, alte Statuten wurden bedenkenlos zugunsten experimenteller Schöpfungen aufgegeben. Wichtige Maler dieser Epoche waren der Symbolist Jacek Malczewski, Stanislaw Wyspianski und Jozef Mehoffer. Mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhunderts entstand in Polen eine Avantgarde, deren bekanntesten Vertreter der Kubist Tadeusz Makowski, und die Konstruktivisten Symbolist Jacek Malczewski, Stanislaw Wyspianski, Jozef Mehoffer sind.
Unter den zeitgenössischen Künstlern Polens finden sich auch viele Frauen, zum Beispiel die Video- und Installationskünstlerin Katarzyna Kozyra und die Bildhauerin und Textilkünstlerin Magdalena Abakanowicz. Eine besondere Position hat die polnische Fotografie. Sowohl im Bereich der Kunst als auch der Dokumentation sind die polnischen Werke international anerkannt.

Die polnische Literatur vom 12. Jahrhundert bis in die Neuzeit
Die polnische Literatur hat sich ab dem 15. Jahrhundert eigenständig entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt schwand immer mehr die Bedeutung der lateinischen Sprache als einzig anerkannte gedruckte Sprache. Die ersten Werke in polnisch wurden publiziert und schon damals zeigte sich der Schwerpunkt der Literaten Polens: die Politik.
Mehr als in den meisten anderen Ländern werden politische Ereignisse und Strömungen in der Literatur berücksichtigt und die gesellschaftliche Position des Schriftstellers war eine ganz besondere. Vor allem in der Romantik, nach der dritten Teilung Polens wurden herausragende Werke geschaffen. Hinter dem Hintergrund der Nichtexistenz des polnischen Staates wurden kreative Potentiale geweckt und es entstand eine Subkultur der Seelenregierung. Unter dem Motto „Zur Hebung der Herzen“ taten die polnischen Literaten alles, um den inneren Zusammenhang der polnischen Gesellschaft zu erhalten.
Die Achtung vor dem Beruf des Schriftstellers stieg weiter. Seit dieser Zeit werden sie als „Seher und Propheten“ betrachtet.
Im Januar 1863 wurde ein Aufstand niedergeschlagen, der sich gegen das russische Zarenreich gerichtet hatte. Im Anschluss an diese erneute Niederlage entstand eine Gegenströmung zur Romantik. Der polnische Positivismus hatte zum erklärten Ziel, die Aufstände zu beenden und durch organische Arbeit ein wiedervereintes Polen zu erreichen. Er bildete die Grundlage der literarischen Moderne und sein Hauptbestreben war, das Nationalbewusstsein und die Bevölkerung durch Bildung zu stärken. Die polnische Physikerin Marie Curie unterstützte diese Strömung in Frankreich, in dem sie den Kindern der Dorfschule heimlich Polnisch-Unterricht gab.

Die Jahrhundertwende griff die Romantik jedoch wieder auf.
Im neugegründeten Staat Polen bildeten sich wie auch im Rest von Europa avantgardistische Strömungen, die jedoch im Schatten der politischen Ereignisse allzu schnell wieder verblassten.
Nach wie vor waren die nationalen politischen Ereignisse Hauptbestandteil der polnischen Literatur.
Die Überfälle auf Polen im Zweiten Weltkrieg lockten die Literaten wieder zur Romantik und ihre Gedichte wurden in Untergrundzeitschriften veröffentlicht. In diesen Werken wurden der Schmerz und die Verzweiflung der polnischen Bevölkerung in großartigen romantischen Worten thematisiert. Viele von ihnen starben 1944 als Kämpfer im Warschauer Aufstand.
Der Zweite Weltkrieg war vorbei und die polnischen Künstler suchten nach neuen Ausdrucksformen. Vom sowjetischen Realismus wandten sie sich nach kurzer Zeit wieder ab und mit den Ereignissen von 1956, dem Jahr in dem die ersten Streikwellen in Polen begannen, wehte ein neuer Wind im Land. Hoffnung und Kampfeswillen wurden stark und steigerten die Kreativität der Schriftsteller enorm.
Satire, die Neuinterpretation historischer Themen und Science Fiction wurden zu den bevorzugten Genres der polnischen Schriftsteller, um die Situation in Polen zu beschreiben.

Mit den beginnenden Studentenaufständen 1968 kam es auch in Polen zum Aufbegehren der Schriftsteller. Die „Neue Welle“ forderte mehr Redefreiheit und weniger Zensur. Als 1970 der Regierungswechsel aufgrund der Arbeiterproteste in Danzig stattfind, wurden diese Forderungen für eine kurze Zeit erfüllt. Doch dann folgte erneut eine schärfere Zensur. Viele polnische Schriftsteller zogen das Exil dem Knebel vor oder publizierten ihre Werke in Untergrundzeitschriften.

Ab 1981 ging es mit der polnischen Literatur aufwärts. Die politischen Entwicklungen ließen die Romantik nochmals aufleben. Doch die Tabuisierung bestimmter Themen war nicht mehr durchzusetzen. Die Beziehungen Polens zur Sowjet-Union, zu Deutschland und zum Judentum wurden thematisiert. Durch ihre Werke zu diesen Themen wurden die Autoren Hanna Krall (1937), Andrzej Szczypiorski (1924) oder Maria Nurowska (1944) über Polen hinaus bekannt.
Mit der Wende 1989 kam es auch zu einer Loslösung vom alles beherrschenden Thema Nationalismus und eine neue Riege junger Schriftsteller machte von sich reden. Die Schriftstellerinnen Manuela Gretkowska (1964), Izabela Filipiak (1961), Natasza Goerke (1960) konfrontierten das polnische Publikum mit einer neuen, frischen und tabulosen Literatur.

1996 wurde der polnischen Lyrikerin Wisława Szymborska der Nobelpreis verliehen. Neue Namen aus Polen sind Andrzej Stasiuk, Olga Tokarczuk und die junge Dorota Masłowska, in die große Hoffnungen gesetzt werden.

Musik, Film und Theater
Im musikalischen Bereich ist an erster Stelle der weltbekannte Musiker Frederik Chopin zu nennen, der mit seinen Klavierkompositionen das Wesen des polnischen Romantismus allgemeinverständlich ausdrückte. Berühmte zeitgenössische Komponisten sind unter anderem Henryk Mikolaj Gorecki und Krzysztof Penderecki. Auch in der Jazzszene haben sich polnische Musiker einen Namen gemacht. Krzysztof Komeda, der neben seiner Karriere als Jazz-Musiker, zum Beispiel die Filmmusik zu Roman Polanskis Film Rosemary’s Baby schrieb, Michal Urbaniak, Adam Makowicz und Tomasz Stanko sind in der ganzen Welt bekannt.

1948 wurde in Lodz die Staatliche Hochschule für Film, Fernsehen und Theater, damals noch „Höhere Filmschule“ gegründet. Im Laufe der Jahre brachte diese Schule bedeutende Künstler und Regisseure hervor, darunter Roman Polanski, der 1958 als Student für seinen Film „Zwei Männer und ein Schrank“ auf der Weltausstellung eine Auszeichnung erhielt. In den neunziger Jahren machte der Regisseur Krzysztof Kieslowski mit seinen Verfilmungen "Dekalog", "Das doppelte Leben der Veronika" und vor allem "Drei Farben" von sich reden. Auch er war ein Absolvent der Schule in Lodz.
Im Bereich des Theaters machte Jerzy Grotowski von sich reden. Der Regisseur und Theaterkritiker gilt mit der Gründung des „Theater Laboratorium der 13 Reihen – Forschungsinstitut für schauspielerische Methode „ als der Schöpfer des avantgardistischen polnischen Theaters.

Oscar-Gewinner aus Polen:
Leopold Stokowski − 1941 − für beste Musik − "Fantazja"
Bronisław Kaper − 1953 − für beste Musik − "Lili"
Zbigniew Rybczyński – 1982 – bester animierter Kurzfilm – "Tango"
Ewa Braun i Allan Starski – 1993 – bestes Szenenbild – "Lista Schindlera"
Janusz Kamiński – 1993 – beste Kamera – "Lista Schindlera"
Janusz Kamiński – 1998 – beste Kamera – Szeregowiec Ryan
Andrzej Wajda – 2000 – Ehrenoscar
Roman Polański – 2002 – beste Regie – "Pianista"
Jan A. P. Kaczmarek − 2005 – beste Filmmusik - "Marzyciel"

Polen hat eine reiche Geschichte und aus den modernen Strömungen in Musik, Malerei und Literatur werden altes Brauchtum mit neuen zeitgenössischen Impulsen auf spannende Art und Weise verknüpft.
 

 
 
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