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Volksbräuche und Brauchkunst in Polen
Kulturelle Bräuche und Sitten haben sich
auch in Polen auf die ländlichen Gebiete
verlagert. Eine große Rolle spielt die
römisch-katholische Kirche. Doch auch
vorchristliche Einflüsse spiegeln sich
in einigen Bräuchen noch wieder.
Am „Wianki“ – Fest oder auch „Fest der
Kränze“, das in der Johannisnacht
stattfindet, binden junge Mädchen
Blumenkränze und werfen sie ins Wasser.
Aus der Bewegung der Kränze wird die
Zukunft des Mädchens gelesen.
Dieses Fest sowie auch die Versenkung
der Marzenna und der Lajkonik sind
Jahreszeitenfeste.
Die Versenkung der Marzenna treibt den
Winter aus, indem eine Strohpuppe – die
Marzenna, die Winter, Nacht und Tod
verkörpert – ertränkt oder verbrannt
wird.
Das Lajkonik-Fest ( ein Türkenreiter,
der mit einem Streitkolben bewaffnet
ist, tanzt mit einer Pferdefigur in der
Hand und zieht von Volksmusikanten
begleitet durch die Stadt ) wird in
Krakau gefeiert und steht in
Zusammenhang mit der mongolischen
Belagerung Krakaus im 13. Jahrhundert.
An dieses Ereignis erinnert auch das - „Hejnał“
- unterbrochenes Trompetensignal – das
täglich um 12.00 Uhr in Krakau zu hören
ist.
Die klassischen religiösen Feste haben
in Polen eine große Bedeutung und werden
je nach religiöser Ausrichtung
entsprechend zelebriert. So werden in
ganz Polen die Sternsinger zwischen 27.
Dezember und 06. Januar ausgesandt, an
Allerheiligen finden Friedhofsfeiern
statt und auch der Palmsonntag wird
gebührend begangen.
Besonders zu nennende Feste sind das
Fronleichnamsfest in Lowicz, die
Mysterienspiele in Kalwaria Zebzydowska,
das kaschubische Bootsfest und der
Danziger Dominikanermarkt.
Mit den Bräuchen und Traditionen eng
verbundene künstlerische Werke sind an
erster Stelle die Ikonenmalerei. Bekannt
hierfür sind Podlachien, Lublin und das
Karpatenvorland. Koronki, das ist eine
spezielle Spitzenhäkelkunst,
Schnitzereien und erotische Stickereien
sind weitere Elemente der traditionellen
polnischen Brauchkunst. Krakau und die
Goralen sind bekannt für ihre Trachten.
Traditionelle Musik Polens
Tänze wie Mazurkas, Polonaisen,
Krakowiaks und Polkas, polnische
Kammermusik und jüdischer Klezmer haben
in der polnischen Kultur einen festen
Platz. Seit Anfang der neunziger Jahre
hat sich in Polen eine Musikszene
entwickelt, die an die alte Volksmusik
anknüpft und diese modern interpretiert.
Eine Rolle spielen hier auch alte
traditionelle Instrumente, wie zum
Beispiel die Suka, eine polnische Geige
aus dem 16. Jahrhundert, die mit den
Fingernägeln gespielt wird.
Polens Architektur
Hügelgräber und Steinkreise findet man
in Polen als älteste architektonische
Bauwerke. Als die Vorromanik der
Christen im 9. Jahrhundert Einzug hielt,
entstanden die ersten Burgen und Kirchen
der Polanen, einem westslawischen Stamm,
der damals das Gebiet des heutigen
Polens bevölkerte.
Die Romanik war die Zeit der Kirchen und
Klöster. Sie sind heute noch in vielen
polnischen Städten zu bewundern. In der
Gotik entstanden in Polen die größte
Backsteinkirche und der größte gotische
Backsteinbau der Welt. Die Marienkirche
liegt am Nogat, die Marienkirche ist in
Danzig zu finden.
Im goldenen Zeitalter Polens zwischen
Anfang des 12. und Ende des 18.
Jahrhunderts entstanden die
bedeutendsten Bauwerke des Landes, an
erster Stelle ist hier das Wawelschloss
in Krakau zu nennen.
Viele bedeutende Bauwerke wurden in den
Weltkriegen unwiederbringlich zerstört,
doch die erhalten gebliebenen Gebäude
zeugen von der Baukunst Polens über die
Jahrhunderte hinweg.
Die Entwicklung der Kunst
Jede der Epochen und politischen
Umwälzungen des Landes brachte
unterschiedliche kreative Strömungen
hervor, die die Kunst des Landes mit
beeinflusst haben. Die byzantinischen
und lateinischen Traditionen haben die
polnische Kunst genauso geprägt, wie die
Teilungen Polens im 18. Jahrhundert.
Die Offenheit der Polen für die
künstlerischen Entwicklungen anderer
Kulturen und der daraus entstehende
Einfluss auf die eigene Kunst haben
zusätzlich zu einem großen Reichtum an
Facetten der Kunst geführt.
Entwicklung der bildenden Kunst im
Spiegel der Jahrhunderte
Im Bereich der bildenden Künste ist an
erster Stelle der Maler Jan Matejko zu
nennen. Er schuf im 19. Jahrhundert
großartige Historiengemälde. Sein Stil
wurde in großem Masse von dem Münchner
Maler Wilhelm von Kaulbach geprägt. Ein
zentraler Bestandteil seiner Werke war
die dritte Teilung Polens.
Der wichtigste Vertreter des Realismus
in der polnischen Kunst war der Maler
Jozef Chelmonski. Er lebte von 1849 bis
1914 und lebte unter anderem in München
und Paris. Nach seiner Rückkehr nach
Polen 1887 konzentrierte er sich auf
Motive von polnischen und ukrainischen
Dörfern sowie Jagdszenen. Die Wiege der
modernen polnischen Kunst stand im
„Jungen Polen“. Ende des 19. Und Anfang
des 20. Jahrhunderts befand sich die
Kunst im Umbruch, alte Statuten wurden
bedenkenlos zugunsten experimenteller
Schöpfungen aufgegeben. Wichtige Maler
dieser Epoche waren der Symbolist Jacek
Malczewski, Stanislaw Wyspianski und
Jozef Mehoffer. Mit dem Fortschreiten
des 20. Jahrhunderts entstand in Polen
eine Avantgarde, deren bekanntesten
Vertreter der Kubist Tadeusz Makowski,
und die Konstruktivisten Symbolist Jacek
Malczewski, Stanislaw Wyspianski, Jozef
Mehoffer sind.
Unter den zeitgenössischen Künstlern
Polens finden sich auch viele Frauen,
zum Beispiel die Video- und
Installationskünstlerin Katarzyna Kozyra
und die Bildhauerin und Textilkünstlerin
Magdalena Abakanowicz. Eine besondere
Position hat die polnische Fotografie.
Sowohl im Bereich der Kunst als auch der
Dokumentation sind die polnischen Werke
international anerkannt.
Die polnische Literatur vom 12.
Jahrhundert bis in die Neuzeit
Die polnische Literatur hat sich ab dem
15. Jahrhundert eigenständig entwickelt.
Zu diesem Zeitpunkt schwand immer mehr
die Bedeutung der lateinischen Sprache
als einzig anerkannte gedruckte Sprache.
Die ersten Werke in polnisch wurden
publiziert und schon damals zeigte sich
der Schwerpunkt der Literaten Polens:
die Politik.
Mehr als in den meisten anderen Ländern
werden politische Ereignisse und
Strömungen in der Literatur
berücksichtigt und die gesellschaftliche
Position des Schriftstellers war eine
ganz besondere. Vor allem in der
Romantik, nach der dritten Teilung
Polens wurden herausragende Werke
geschaffen. Hinter dem Hintergrund der
Nichtexistenz des polnischen Staates
wurden kreative Potentiale geweckt und
es entstand eine Subkultur der
Seelenregierung. Unter dem Motto „Zur
Hebung der Herzen“ taten die polnischen
Literaten alles, um den inneren
Zusammenhang der polnischen Gesellschaft
zu erhalten.
Die Achtung vor dem Beruf des
Schriftstellers stieg weiter. Seit
dieser Zeit werden sie als „Seher und
Propheten“ betrachtet.
Im Januar 1863 wurde ein Aufstand
niedergeschlagen, der sich gegen das
russische Zarenreich gerichtet hatte. Im
Anschluss an diese erneute Niederlage
entstand eine Gegenströmung zur
Romantik. Der polnische Positivismus
hatte zum erklärten Ziel, die Aufstände
zu beenden und durch organische Arbeit
ein wiedervereintes Polen zu erreichen.
Er bildete die Grundlage der
literarischen Moderne und sein
Hauptbestreben war, das
Nationalbewusstsein und die Bevölkerung
durch Bildung zu stärken. Die polnische
Physikerin Marie Curie unterstützte
diese Strömung in Frankreich, in dem sie
den Kindern der Dorfschule heimlich
Polnisch-Unterricht gab.
Die Jahrhundertwende griff die Romantik
jedoch wieder auf.
Im neugegründeten Staat Polen bildeten
sich wie auch im Rest von Europa
avantgardistische Strömungen, die jedoch
im Schatten der politischen Ereignisse
allzu schnell wieder verblassten.
Nach wie vor waren die nationalen
politischen Ereignisse Hauptbestandteil
der polnischen Literatur.
Die Überfälle auf Polen im Zweiten
Weltkrieg lockten die Literaten wieder
zur Romantik und ihre Gedichte wurden in
Untergrundzeitschriften veröffentlicht.
In diesen Werken wurden der Schmerz und
die Verzweiflung der polnischen
Bevölkerung in großartigen romantischen
Worten thematisiert. Viele von ihnen
starben 1944 als Kämpfer im Warschauer
Aufstand.
Der Zweite Weltkrieg war vorbei und die
polnischen Künstler suchten nach neuen
Ausdrucksformen. Vom sowjetischen
Realismus wandten sie sich nach kurzer
Zeit wieder ab und mit den Ereignissen
von 1956, dem Jahr in dem die ersten
Streikwellen in Polen begannen, wehte
ein neuer Wind im Land. Hoffnung und
Kampfeswillen wurden stark und
steigerten die Kreativität der
Schriftsteller enorm.
Satire, die Neuinterpretation
historischer Themen und Science Fiction
wurden zu den bevorzugten Genres der
polnischen Schriftsteller, um die
Situation in Polen zu beschreiben.
Mit den beginnenden Studentenaufständen
1968 kam es auch in Polen zum
Aufbegehren der Schriftsteller. Die
„Neue Welle“ forderte mehr Redefreiheit
und weniger Zensur. Als 1970 der
Regierungswechsel aufgrund der
Arbeiterproteste in Danzig stattfind,
wurden diese Forderungen für eine kurze
Zeit erfüllt. Doch dann folgte erneut
eine schärfere Zensur. Viele polnische
Schriftsteller zogen das Exil dem Knebel
vor oder publizierten ihre Werke in
Untergrundzeitschriften.
Ab 1981 ging es mit der polnischen
Literatur aufwärts. Die politischen
Entwicklungen ließen die Romantik
nochmals aufleben. Doch die Tabuisierung
bestimmter Themen war nicht mehr
durchzusetzen. Die Beziehungen Polens
zur Sowjet-Union, zu Deutschland und zum
Judentum wurden thematisiert. Durch ihre
Werke zu diesen Themen wurden die
Autoren Hanna Krall (1937), Andrzej
Szczypiorski (1924) oder Maria Nurowska
(1944) über Polen hinaus bekannt.
Mit der Wende 1989 kam es auch zu einer
Loslösung vom alles beherrschenden Thema
Nationalismus und eine neue Riege junger
Schriftsteller machte von sich reden.
Die Schriftstellerinnen Manuela
Gretkowska (1964), Izabela Filipiak
(1961), Natasza Goerke (1960)
konfrontierten das polnische Publikum
mit einer neuen, frischen und tabulosen
Literatur.
1996 wurde der polnischen Lyrikerin Wisława Szymborska der Nobelpreis
verliehen. Neue Namen aus Polen sind
Andrzej Stasiuk, Olga Tokarczuk und die
junge Dorota Masłowska, in die große
Hoffnungen gesetzt werden.
Musik, Film und Theater
Im musikalischen Bereich ist an erster
Stelle der weltbekannte Musiker Frederik
Chopin zu nennen, der mit seinen
Klavierkompositionen das Wesen des
polnischen Romantismus
allgemeinverständlich ausdrückte.
Berühmte zeitgenössische Komponisten
sind unter anderem Henryk Mikolaj
Gorecki und Krzysztof Penderecki. Auch
in der Jazzszene haben sich polnische
Musiker einen Namen gemacht. Krzysztof
Komeda, der neben seiner Karriere als
Jazz-Musiker, zum Beispiel die Filmmusik
zu Roman Polanskis Film Rosemary’s Baby
schrieb, Michal Urbaniak, Adam Makowicz
und Tomasz Stanko sind in der ganzen
Welt bekannt.
1948 wurde in Lodz die Staatliche
Hochschule für Film, Fernsehen und
Theater, damals noch „Höhere Filmschule“
gegründet. Im Laufe der Jahre brachte
diese Schule bedeutende Künstler und
Regisseure hervor, darunter Roman
Polanski, der 1958 als Student für
seinen Film „Zwei Männer und ein
Schrank“ auf der Weltausstellung eine
Auszeichnung erhielt. In den neunziger
Jahren machte der Regisseur Krzysztof
Kieslowski mit seinen Verfilmungen
"Dekalog", "Das doppelte Leben der
Veronika" und vor allem "Drei Farben"
von sich reden. Auch er war ein
Absolvent der Schule in Lodz.
Im Bereich des Theaters machte Jerzy Grotowski von sich reden. Der Regisseur
und Theaterkritiker gilt mit der
Gründung des „Theater Laboratorium der
13 Reihen – Forschungsinstitut für
schauspielerische Methode „ als der
Schöpfer des avantgardistischen
polnischen Theaters.
Oscar-Gewinner aus Polen:
Leopold Stokowski − 1941 − für beste
Musik − "Fantazja"
Bronisław Kaper − 1953 − für beste Musik
− "Lili"
Zbigniew Rybczyński – 1982 – bester
animierter Kurzfilm – "Tango"
Ewa Braun i Allan Starski – 1993 –
bestes Szenenbild – "Lista Schindlera"
Janusz Kamiński – 1993 – beste Kamera –
"Lista Schindlera"
Janusz Kamiński – 1998 – beste Kamera –
Szeregowiec Ryan
Andrzej Wajda – 2000 – Ehrenoscar
Roman Polański – 2002 – beste Regie – "Pianista"
Jan A. P. Kaczmarek − 2005 – beste
Filmmusik - "Marzyciel"
Polen hat eine reiche Geschichte und aus
den modernen Strömungen in Musik,
Malerei und Literatur werden altes
Brauchtum mit neuen zeitgenössischen
Impulsen auf spannende Art und Weise
verknüpft.
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