Interessante Berichte von Menschen die Polen kennergelernt haben
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Dabei merkte ich, dass Polen ein gar nicht so kleines Land ist...

Ich hatte früher als ich ganz klein war wenig Bezug zu Polen.  Das einzige, was ich mitbekam, waren die vielen polnischen LKWs, die ich auf der Autobahn sah, an Sperrmülltagen polnische Kleinlaster und ich wusste, dass es aufgrund des geschichtlichen Hintergrunds besonders im Dritten Reich immer noch Probleme zwischen Polen und Deutschen gab. Außerdem kommt meine Großmutter aus Schlesien, was ja heute zu Polen gehört. Sie erzählte mir aber selten etwas darüber, wohl auch weil sie ganz jung war und dann flüchten musste.  Ebenfalls kannte ich natürlich die Vorurteile über Polen, die einem in der Schule erzählt wurden, vor allen Dingen das Klischee, dass die Polen alles klauen würden. Ein gängiger Witz war: „Morgens halb zehn in Deutschland: Wo ist mein Knoppers? – Morgens halb zehn in Polen: Hmm, lecker!“ Meine Familie hatte auch einmal geplant, den Urlaub in Polen zu verbringen, aber aufgrund der Gewohnheit fiel die Wahl wieder auf Dänemark.

Das erste Mal aber, wo ich mich richtig mit Polen beschäftigt habe, war, als ich 2004 mit meinem Chor nach Polen  fuhr. Ich war gerade 13 geworden und war nach Dänemark und Tschechien in meinem dritten Ausland. Dabei merkte ich, dass Polen ein gar nicht so kleines Land ist und im Osten sogar an die Ukraine grenzt, das nach meinem damaligen Vorstellungsvermögen schon fast in Asien war.  Unsere Reise sollte nach Bolesławiec (Bunzlau) nach Westpolen gehen, wo mein Chorleiter einen Kontakt zu einem Schulchor aufgebaut hatte. Ich kann mich noch genau an die Hinfahrt erinnern, als nach Görlitz an der deutsch-polnischen Grenze die Autobahn einfach aufhörte und wir auf einer huckeligen Landstraße weiterfahren mussten.  Daneben konnte man aber schon sehen, dass eine neuere und größere Straße gebaut wurde. Dieser Gegensatz zwischen Altem und Moderne sollte ich noch  oft in Polen erleben. 

Wir wurden sehr nett in der Schule empfangen, die extra für uns mit Europa-, Polen- und Deutschlandfahnen geschmückt war und untergebracht wurden wir in den Familien der Chormitglieder des polnischen Chors. Meine besaß kein eigenes Auto und wir fuhren mit einem Freund zu ihrer Wohnung. Für mich war diese sehr ungewohnt, weil ich aus einem Dorf komme und davor noch nie richtig in einer Plattenbauwohnung war. Von innen war die Wohnung aber sehr gemütlich eingerichtet und die Familie hatte für mich ein typisch deutsches Essen mit Eisbein vorbereitet. Die Mutter konnte ein wenig Deutsch und der große Bruder von Simon, meinen Partner, sprach sehr gut Englisch, so dass die Kommunikation nicht sehr schwierig war. Er zog auch extra in das Wohnzimmer der Familie um, damit ich mit Simon in seinem Bett in einem Zimmer  schlafen konnte. Mit ihm habe ich dann auch zusammen das Finale der Champions League (Manchester United gegen AC Mailand) im Fernsehen geguckt. Insgesamt war ich beeindruckt, wie viel Mühe sich die Familie gegeben hatte, um meinen Aufenthalt möglichst angenehm zu gestalten.

Während meiner Zeit in Polen konnte ich einer Prozession beiwohnen, weil zu der Zeit im Mai gerade ein katholischer Feiertag war. Wir haben uns alle besser angezogen und sind dann zur Kirche gegangen, die sehr voll war. Dabei habe ich gemerkt, dass in Polen der Glaube eine viel wichtigere Rolle im Alltag spielt als bei uns. Nach der Messe zogen wir durch die Innenstadt, wobei wir immer vor kleinen Mini-Altären, die von den Bewohnern vorbereitet worden waren,  haltmachten und beteten. Ich kannte das überhaupt nicht von meiner Region.

Beim Unterhalten mit dem Bruder von meinem Partner Simon, wurde mir auch zum ersten Mal bewusst, wie schwer meine Muttersprache  Deutsch ist und dass sie erst von anderen mühsam gelernt werden muss. Er zeigte mir auch sein Deutschbuch, womit ich viel Spaß hatte und ich habe ihm sogar bei einer Hausarbeit helfen.

In Erinnerung habe ich ebenso die Besichtigung einer Holzkirche im Riesengebirge. Von dort aus konnte man auch die Schneekoppe, sehen, die zu dieser Jahreszeit aber nicht ihrem Namen gerecht wurde. Eindrucksvoll fand ich die Manufaktur des Bunzlauer Porzellans, die wir ansahen. Jedes Teil des Porzellans wird noch mit Handstempeln bedruckt und dann im Ofen gebrannt. Ich war vorher fest davon ausgegangen, dass das maschinell produziert wird.

Vor der Abfahrt war ich fast schon ein bisschen traurig, da ich wirklich sehr gastfreundlich aufgenommen worden bin, obwohl die Verhältnisse dort augenscheinlich anders und vielleicht auch schwieriger als in Deutschland waren. Meine Gastfamilie schenkte mir zum Abschied sogar ein Räuchermännchen aus Bunzlauer Porzellan, das jetzt auf meinem Schrank steht.

Ich kann wirklich behaupten, dass ich einen schönen Eindruck von Polen bekommen habe und habe mich dann auch gefreut, als der polnische Chor dann zu einem Gegenbesuch zu uns gekommen ist. Beim Kartenspielen habe ich dann das erste Wort außer Guten Tag, Wie geht es dir und Tschüss gelernt, an das ich mich noch heute erinnern konnte: Szkoda (= Schade) sagte Simon immer, wenn er übertrumpft wurde und fand das so witzig, weil dabei mir immer die tschechische Automarke „Škoda“ einfiel.

Wenn ich diese Zeit nun von heute aus betrachte, glaube ich das Polen sich in einer Zeit des Umbruchs befand und noch befindet. Mir wird jetzt richtig bewusst, wie nett diese Familie zu mir war und versuchte, trotz der anderen Verhältnisse viel möglich zu machen. Sie war sehr offen und hat mir vor allem ein neueres und richtigeres Bild von Polen gezeigt. Ich denke, dass es zwar in jedem Land solche und solche Menschen gibt, aber diese erste Begegnung von Polen hat mir persönlich ein sehr positives Bild gezeigt.

Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, dieses Jahr wieder nach Polen fahren zu dürfen und dort auf polnische Jugendliche zu treffen, mit denen man sich dann auch austauschen kann. Ich merke, dass, je mehr man diese Land und seine Bevölkerung zu kennen glaubt desto mehr sieht man, dass es noch viele Sachen zu entdecken gibt. Zum Beispiel zeigte mir ein Gottesdienst in den Masuren, bei dem es recht locker zuging und ich sogar mich am Ende mit den Pastoren unterhalten habe, ein völlig anderes Bild als die Messe, die ich in Bolesławiec erlebt hatte. Ich finde es gut, dass mich noch kein Pole als Deutscher gleich Hitler abgestempelt hat, obwohl ich weiß, dass sie viel Leid durch die Deutschen erfahren haben.

Ich möchte auf jeden Fall bald wieder nach Polen kommen, um noch mehr zu lernen und mit den Leuten dort in Kontakt zu kommen. Nur dadurch können wahrscheinlich die Vorurteile relativiert werden, die es immer noch viel zu viel gibt und ich hoffe, dass es dann möglich ist Polen und Deutschland noch mehr zusammenwachsen zu lassen.

Tilman (16)

 

Eigentlich hat ich Angst...

So als Land kannte ich Polen schon mit 5 Jahren, aber so richtig kennengelernt habe ich es erst mit 11, also jetzt. Ich habe zum Glück keinen familiären Bezug zu Polen, weil mir das einfach zu weit weg ist.

Eigentlich hat ich Angst, dass mir etwas geklaut wird und dass die Polen fies sind und uns beschimpfen.

Gleich am Anfang war ich noch ziemlich unsicher und habe mich nichts allein getraut. Aber dann habe ich erfahren, dass die Polen über uns auch so schlecht denken und es auch schrecklich finden, wenn man über sie so denkt. Sie sind echt nett und können gut singen. Negatives denke ich gar nicht mehr über Polen.

Ich glaube in der Zukunft werde ich nicht mehr so schlecht über die Polen denken, denn im großen und ganzen sind die Pole auch nur Menschen mit einer anderen Sprache.

Aileen (11)
virtualpolen verschickt einen MP3 Player an den Verfasser.

 

Vor allem die Landschaften...

Von Polen hat man eigentlich schon so einiges gehört, aber so richtig was über Polen erfahren habe ich ungefähr mit 10. Da bin ich mit meinen Eltern immer mit dem Schiff rübergefahren. Erst dachte ich immer, dass die polnischen Bürger verklemmt seien und keinen Spaß verstehen.

Aber als ich dann mit 15 das erste mal für eine Woche nach Lublin gereist bin, habe ich gemerkt, dass alle total locker drauf sind und dass sie doch mehr Spaß verstehen und richtig lebensfroh sind. Vor allem die Landschaften und die ganzen alten Gebäude fand ich faszinierend. Besonders daran gefallen haben mir an dieser Reise, dass man eine neue Sprache erlernen konnte und fremde Kulturen kennengelernt hat. Aber auch, dass man neue Freunde gefunden hat. Negativ waren eigentlich nur, dass man manchmal Kommunikationsprobleme hatte und die lange Fahrt bis nach Lublin.

Kurz gesagt ist Polen ein sehr aufregendes Land, wo man viel sehen kann. Und Polen hat viele sehr schöne Landschaften und Seen. Und für die Zukunft habe ich mir vorgenommen öfter nach Polen zu reisen, andere Städte zu sehen und neue Freunde kennenzulernen. Und ich habe mir auch vorgenommen noch mehr polnisch zu lernen, weil ich finde, dass polnisch eine sehr interessante Sprache ist.

Biggi (17)

 

Zweisprachig aufgewachsen...

Ich bin schon von klein auf zweisprachig aufgewachsen. Ich lebe in Deutschland aber der grossteil meiner Familie in Polen. Für mich waren die Länder immer zwei verschiedene Welten, ich weiß nicht warum. Immer wenn ich das Wort Polen höre verbinde ich es gleich mit Familie, Freude und Geborgenheit. Ich meine Deutschland ist das Land in dem ich Lebe, aber Polen ist das Land in dem ich aufgehe.

Polen ist ein Land wie jedes andere. Es ist fröhlich und aufgeschlossen. Ich freue mich immer riesig wenn wir nach Polen fahren erstens weil ich meine Familie wieder sehe und dann noch weil ich einfach entspannen kann. Polen hat wunderschönes Meer und Kulturen. Es gib auch natürlich viele Sehenswürdigweiten. Im Endeffekt ist Polen ein Land wir jedes andere auch. Es gib vorurteile gegenüber Polen doch schämen sich die Deutschen nicht so was zu sagen? Es gefällt uns doch auch nicht wenn es irgend welche Vorurteile gibt oder? Wir wissen ja nicht was die Polen über die Deutschen denken. Es macht mich traulich schlechtes über Polen zu hören. Ich finde so was lächerlich. Deutsche sind nicht besser als polnische Bürger nun sind wir so was wie eine Gemeinschaft dann soll sich auch jeder so benehmen und sich nicht gegenseitig runter machen.

Polen ist ein Land, wo es sich lohnt hinzufahren. Ich habe eine Freundin die in meine Schule geht sie hat nie was von Polen gehalten ich meine okay das soll mir recht sein. Jeder hat seine Meinung und es ist auch jedem erlaubt so zu denken über ein Land wie man es meint – Beleidigungen müssen aber nicht sein. Doch dann ist sie mal mit ihrer Fußballmannschaft nach Polen gefahren. Als sie zurück kam, sagte sie zu mir Polen ist ein schönes Land, es gibt zwar Orte wo es schrecklich aussieht . Aber es ist in Deutschland manchmal nicht anders.

Miki (15)

 

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