Deutsch-Polnische Begegnungen
Ich habe keinen
familiären Kontakt oder Bezug zu Polen. Von Polen habe ich zum ersten
Mal im Geschichtsunterricht in der Schule gehört. Außerdem arbeite ich
in meiner Gruppe auf der Arbeit mit zwei Polinnen zusammen mit denen
ich mich gut verstehe und mit denen man viel Spaß haben kann.
Meine Meinungen vor
meiner ersten Einreise waren dabei verschieden. Auf der einen Seite
habe ich mich gefreut, dass ich etwas Neues sehe, neue Leute
kennenlerne oder etwas über eine andere Kultur kennenlerne. Auf der
anderen Seite hatte ich schon ein bisschen Bammel davor wie es so wird
in einem fremden Land, dessen Sprache man nicht spricht und über das
immer so viel Schlechtes (Autos klauen, Taschendiebstahl…) erzählt
wird. Doch trotz all dieser Vorurteile, die viele haben, wollte ich
mir selbst ein Bild machen wie es hier in Polen ist.
Meine Eindrücke über
Polen sind: hier in den Masuren eine wunderschöne Gegend, vieles zu
sehen, viel zu erleben, schöne lange Wege zum ausgiebigen wandern,
Sehenswürdigkeiten, nette Leute, die versuchen einem trotz
Verständigungsproblemen weiterzuhelfen. Was ein bisschen verrückt ist,
sind die Auto- und LKW Fahrer, die hier in Polen fahren wie verrückt.
Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen und an die Strassen im
allgemeinen (Fahrbahn und Beschilderung). Aber so finde ich, dass
Polen ein schönes Land ist, mit viel zu sehen und einigen
interessanten Informationen.
Mein Blick für die
Zukunft ist, dass ich bestimmt mal wieder in die Masuren fahre zum
Urlaub machen. Aber ich glaube, wenn dann im Sommer, wenn es warm ist
und die Sonne scheint und man die Seen genießen kann.
Ramona (20)
Ich
habe erwartet, dass die Menschen uns nicht sehr unähnlich sind.
Ich habe in meinem
Au-pair-Jahr eine polnische Freundin kennengelernt, sie war
unglaublich lustig und nett. Eine andere Freundin hat ein Jahr in
Polen studiert und viel davon erzählt.
Leider muss man gestehen,
dass in Deutschland das Vorurteil besteht, dass Polen stehlen.
Allerdings habe ich kein allzu großes Misstrauen gehabt. Ich habe eher
erwartet, dass der Lebensstandard deutlich niedriger ist als in
Deutschland. Ansonsten habe ich erwartet, dass die Menschen uns nicht
sehr unähnlich sind.
Meine Erwartungen in
bezug auf Lebensstandard haben sich bestätigt, dass kann jedoch auch
an unserer Unterkunft liegen. Teilweise war ich auch positiv
überrascht. Leider sind hier viele alte wunderschöne Häuser völlig
runtergekommen, was ich sehr schade finde, denn man könnte da so viel
draus machen. Die Landschaft hier ist ganz herrlich, wunderbar
naturbelassen. Die Menschen habe ich als zurückhaltend erlebt,
beispielsweise wenn man sie nach dem Weg fragt. Häufig behaupteten
sie, weder englisch noch deutsch zu sprechen und konnten es dann doch.
Insgesamt waren die Menschen jedoch freundlich und hilfsbereit, vor
allem die jungen.
Ich war zum ersten Mal in
Polen (obwohl ich schon lange vorhatte herzukommen). Sicher werde ich
wiederkommen. Ich möchte wandern oder fahrradfahren, mehr vom Land und
den Menschen sehen und kennenlernen.
Sven (20)
Mein
Polenbesuch
In Deutschland habe ich
polnische Freunde, die teilweise sogar in Deutschland geboren wurden.
Über Polen an sich habe ich nur die Dinge gewusst, die man aus der
Geschichte des Zweiten Weltkrieges hört und dass es eine Zeit gab, wo
viele Polen nach Deutschland kamen um bei uns zu arbeiten. Vorurteile
hatte ich keine, bestimmte Vorstellungen hatte ich auch keine.
Persönlich finde ich es
schwierig, nach sieben Tagen über ein fremdes Land zu schreiben, da
ich selber eine Person bin, die nicht schnell auf Menschen zugehen
kann und dafür immer etwas länger braucht.
Meine persönlichen
Eindrücke waren positiv. Schlechte Erfahrungen habe ich in den sieben
Tagen keine gemacht. Die Zusammenarbeit der beiden Länder sehe ich als
positiv.
Kai (26)
Vor der
Anreise war für mich klar, dass ich meine Vorurteile ablegen muss.
Das erste Mal, dass ich
von Polen gehört hatte, war als kleiner Junge. Viele meiner damaligen
Freunde waren Polen. Und durch die deutsche Geschichte wurde Polen in
der Schule thematisiert.
Vor der Anreise war für
mich klar, dass ich meine Vorurteile ablegen muss. Wobei es mir nicht
leicht fiel, dadurch dass ich so von Vorurteilen geprägt war.
Beispiele hierfür waren: Faule Leute, Arbeitslose, Diebe, aber sehr
gastfreundlich! Nur bei einer Meinung werde ich bleiben, dass der
Präsident von Polen dieses Amt abgeben
sollte.
Das Grenzgebiet von Polen
hat mir nicht wirklich gefallen, hingegen die Masuren sehr gut. Es ist
eine sehr schöne Landschaft. Interessant war auch der Besuch an der
Wolfsschanze. Sehr beeindruckend. Meine Erfahrungen waren überwiegend
positiv, außer natürlich die Strassen.
Für die Zukunft wünsche
ich mir, dass Polen sich noch weiter entwickelt und dass sie auf einem
guten Weg sind.
Jan (23)
Meine erste Begegnung mit Polen fand nicht in Polen statt...
Meine erste Begegnung mit Polen hatte ich schon vor über 15 Jahren und
sie fand auch nicht in Polen statt, sondern bei uns zu Hause. Ich war
damals auf dem Gymnasium und es wurden noch Gastfamilien für polnische
Austauschschüler gesucht – so kam also ein polnischer Junge mit einem
unaussprechlichen Namen zu uns, der Einfachheit halber haben wir ihn
„Jiri“ genannt (das war sein zweiter Vorname) und ich kann mich
erinnern, dass meine Mutter auch mit der Aussprache dieses Namens
Probleme hatte. Außerdem erinnere ich mich noch, dass ich noch nie
einen so alten, klapprigen Bus gesehen hatte wie den mit dem die
polnische Gruppe ankam und dass es in dem Bus irgendwie sehr komisch
roch (ein solcher Geruch war mir in Deutschland noch nie begegnet).
Ansonsten war „Jiri“, der als Gastgeschenk eine Chopin-CD mitgebracht
hatte, aber für meine Schwester und mich überraschend modern, er
wusste mehr von Computern als wir und kannte sich auch bei
Techno-Musik mindestens ebenso gut aus. Das einzige, was wir etwas
altmodisch fanden, war sein Kleidungsstil. Ich glaube, die Deutschen
neigten schon damals dazu die Polen für rückständiger und
„hinterwäldlerischer“ zu halten als sie tatsächlich sind.
Zu „Jiri“ habe ich heute keinen Kontakt mehr, aber ich bin in der
Folgezeit noch einige Male (beruflich oder als Tourist) in Polen
gewesen. Dabei ist mit aufgefallen, dass es einen krassen Unterschied
zwischen den Städten und dem Land gibt, der weit grösser ist als in
Deutschland. Während die kapitalistische Entwicklung die Städte
scheinbar erreicht hat (was sich z.B. in hypermodernen Einkaufszentren
ausdrückt), habe ich auf dem Land Bauern gesehen, die mit
Pferdefuhrwerken herumfuhren, und mir sind sogar Leute begegnet, die
kein fließendes Wasser in ihrem Haus hatten. Diesen sehr
unterschiedlichen Lebensverhältnissen entsprechen offenbar sehr
unterschiedliche Denkweisen. Während die Menschen in den Städten sehr
prowestlich eingestellt sind, finden auf dem Land selbst so abstruse
Parteien wie die antisemitische „Liga der polnischen Familien“ oder
die radikale Bauernpartei „Saamobrona“, die bei Wahlen zum deutschen
Bundestag wohl keine Chance hätten, ihre Anhänger.
Frappierend ist außerdem, dass die Polen in ihrer Gesamtheit viel mehr
über Deutschland wissen als umgekehrt. Während in Polen scheinbar
jedes Kind z.B. Goethe und Schiller kennt und viele auch gut deutsch
sprechen, können selbst deutsche Universitätsabsolventen mit Namen wie
Mickiewisz oder Milosz nichts anfangen. Ähnliches gilt auch für andere
gesellschaftliche Bereiche wie etwa Sport (Wer kennt schon einen
polnischen Nationalspieler?), Musik, Politik etc.. Als Ergebnis dieser
Unwissenheit erscheinen die Polen vielen Deutschen als eine Art
„kulturloses Volk“ – was nach meiner Erfahrung falscher nicht sein
könnte
Insgesamt muss ich sagen, dass ich im Laufe der Zeit viele meiner
Vorurteile revidiert habe/ revidieren musste: Ich bin in Polen z.B.
noch nie bestohlen worden und das Alkoholproblem ist in Polen
möglicherweise auch nicht grösser als in Deutschland (das bestätigen
auch Untersuchungen) – in Deutschland wird es einfach nur besser
versteckt. Regelrechter Hass gegen Deutsche ist mir in Polen noch nie
begegnet (im Gegenteil), obwohl ich schon sagen würde, dass die
Menschen irgendwie eine diffuse Angst vor Deutschen haben – was
aufgrund der Geschichte auch verständlich ist, schließlich ist Polen
das Land, das im 2.Weltkrieg am meisten gelitten hat. Und was die
legendäre Schönheit der polnischen Frauen angeht, so würde ich sagen,
dass die Frauen in Polen im Schnitt wahrscheinlich genauso schön oder
hässlich sind wie diejenigen in Deutschland, allerdings interpretieren
sie ihre Rolle etwas anders und erscheinen für deutsche Männer von
daher attraktiver.
Einige meiner ursprünglichen Ansichten blieben jedoch auch bestehen:
So bin ich etwa nach wie vor der Ansicht, dass die
Verkehrsinfrastruktur in Polen zum Teil erbärmlich ist und auch das
öffentliche Gesundheitssystem kann dem deutschen nicht das Wasser
reichen. Auch aus vielen touristischen Anziehungspunkten kann man
meiner Meinung nach mehr machen – vielleicht fehlt es den Polen da
auch etwas an Geschäftstüchtigkeit. Positiv ist natürlich die
unheimliche Gastfreundlichkeit der Menschen, überhaupt sind die Polen
(wie wahrscheinlich alle slawischen Völker) im zwischenmenschlichen
Umgang herzlicher als die sozial sehr kalten Deutschen.
Obwohl ich nun zusammengenommen fast ein Jahr meines Lebens in Polen
verbracht habe, bleiben ein paar Dinge für mich letztlich aber immer
noch rätselhaft: So habe ich zum Beispiel immer noch keinen
vernünftigen Grund dafür gefunden warum die Polen so europakritisch
sind wie es die Umfragen und die Verhandlungsführung der polnischen
Regierung auf diversen Europa-Konferenzen belegen. Möglich ist, dass
es auch gar keinen vernünftigen Grund gibt und es sich viel mehr um
eine irrationale Abneigung handelt, wobei die Suche nach einem
vernünftigen Grund mich schon als Deutschen ausweist.
Hugo-Alexander F.
Polen 2008 –
„Mal ein so ganz anderes Land“
Wie meiner Meinung
nach viele Deutsche, bin auch ich mit einer Menge von Vorurteilen und
Kritik im Kopf nach Polen gefahren. Mit Italien verbindet man den
Papst, Spaghetti und Pizza, mit Frankreich den Eifelturm, Baguette und
mit England vermutlich die Queen und eine Menge Regen. Aber mit Polen?
Was für Menschen leben dort, wie leben sie und vor allem wie reagieren
sie auf mich? Dann ging es los. Zuerst mit grosser Verspätung der
polnischen Bahn, was mich ja doch ein wenig schmunzeln liess, da die
Parallele zur deutschen Bahn unverkennbar war.
Mit einem
Bummelzug ging es dann
stundenlang von Stadt zu Stadt, Dorf zu Dorf. Doch das langsame
Vorrankommen hatte den Vorteil, dass ich die Landschaft genau
bewundern konnte. Und schon in dem Augenblick war ich sehr
beeindruckt. So viel grüne Wiesen und schöne Felder haben für mich
irgendwie eine Art unberührten Eindruck erweckt.
Als wir dann an
unserem Ziel ankamen und auch noch einen riesigen See am Haus hatten,
war ich nur noch fasziniert. Von der Stille, die dieser Ort
ausstrahlte und von einem Land, was ich nicht schlechter hätte vorher
einschätzen können. Mit der Zeit meiner Reise wurde mir Polen und die
polnische Kultur immer sympathischer. Die Menschen hier haben für mich
irgendwie eine starke Lebensfreude gezeigt und einen gewissen Stolz
auf ihr Land. Ich habe Parallelen zu Deutschland entdeckt, aber auch
gravierende Unterschiede.
Polen war für mich ein sehr offenes aber
auch traditionelles Land. Und ich denke, dass ich wenige negative
Erfahrungen, die ich hier erlebt habe, ebenso in Italien, Frankreich
oder England erlebt hätte; wie z.B. dass das ein oder andere Essen
recht gewöhnungsbedürftig war oder dass ich in einigen Dingen das
Gefühl hatte Deutschland sei der Entwicklung hier doch manchmal ein
Stück voraus.
Für die Zukunft kann ich nur festhalten, dass mich
überwiegend positive Erfahrungen und Erlebnisse immer wieder in dieses
Land zurückführen werden. Polen ist für mich keinesfalls das typische
Urlaubsland, sondern hat einen viel besondereren Reiz. Vielleicht habe
ich durch diese Reise auch gelernt, mich nicht durch Vorurteile
täuschen zu lassen –sondern mir meine eigene Meinung über „mal so ein
ganz anderes Land“ zu bilden.
Sheila (16)
Meine Begegnung
mit Polen
Ich bin jetzt das zweite
Mal hier in Polen. Aber diesmal in einer ganz anderen Ecke.
Nichtsdestotrotz mache ich schöne Erfahrungen hier: Die Leute sind
nett, hilfsbereit und freundlich. In der Stadt helfen sie einem
weiter, wenn man z.B. den Weg nicht weiss oder Feuer braucht (ich
rauche).
Was ich auch sehr mag an
Polen ist das Essen. Wenn meine Gastmutter gekocht hat, war es immer
sehr lecker und trotzdem nicht so fremd wie beispielsweise asiatisches
Essen. Ich habe Polen als sehr gastfreundliches Land erfahren. Das
einzige, was mich geärgert hat, war, dass in Warschau am Bahnhof im
McDonalds keine Toilette vorhanden ist. Und so stand ich morgens um 7
Uhr in Warschau und musste ganz dringend. In der Hoffnung meinen Druck
loszuwerden suchte ich den McDonalds auf, aber kein Klo da! Das hatte
ich nicht erwartet, da in Deutschland jedes Restaurant und sogar jede
Pizzeria eine Toilette besitzen muss für die Kunden. Aber im Prinzip
kann ich den Grund schon verstehen. Die wollen halt nicht, dass alle
Touristen da ständig aufs Klo gehen oder irgendwelche Junkies. Aber
mich hat es in dem dringenden Moment sehr enttäuscht -
verständlicherweise. Ich musste dann 20 Minuten warten und mein
gesamtes Gepäck in den Zug hieven, bevor ich auf dem dreckigen Zugklo
endlich pinkeln konnte. Meine so ziemlich einzige schlechte Erfahrung
mit Polen.
In
Breslau habe ich meine Lieblingsohrringe gekauft, leider habe ich
einen verloren. Ich finde, eigentlich müsste ich viel öfter nach Polen
kommen um noch mehr Gutes zu erleben. Ausserdem ist die Landschaft und
die Natur, wo ich hier gerade bin, wunderschön. Die Masuren sind ein
schönes Stück Europas und der Welt. Kann ich nur empfehlen.
Johanna (16)
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