Polnisches und Deutsches Schulsystem – Ein Vergleich

 

1999 wurde das polnische Schulsystem grundlegend reformiert.

Aus der Erkenntnis heraus, das Bildung ein unschätzbares Kapital für den Einzelnen darstellt, wurde das polnische Bildungssystem so modifiziert, dass für alle Schüler und Schülerinnen eine Gleichbehandlung und die bestmöglichste Ausbildung möglich wurde. Ein weiterer wichtiger Punkt der Reformen war die Verlängerung der Schulpflicht bis zum 18. Lebensjahr. Klare Strukturen machen das System überschaubar, die Organisation erfolgt weitgehend zentral durch das polnische Bildungsministerium.

 

Ein wenig anders gestaltet sich die Situation in Deutschland. Hier ist Bildung Ländersache. Unzählige Schulformen und Bildungswege erschweren teilweise Schülern den Umzug in ein anderes Bundesland und bilden einen Dschungel, in dem man schnell die Übersicht verliert. Im Vergleich fallen die Unterschiede zwischen deutschem und polnischem Schulsystem sofort auf.

Bevor polnische Kinder in die Schule kommen, können sie im Alter zwischen drei und sechs den Kindergarten besuchen. Spätestens in einem Alter von fünf Jahren ist der einjährige Besuch eines Kindergartens Pflicht. Dieses Jahr ist eine Art Vorschule und heißt auch „Null-Klasse“ (zerówka). Seit dem Schuljahr 2009 kann das Schulleben schon ab einem Alter von sechs Jahren beginnen. Hierbei kommt es nicht auf den Geburtsmonat, sondern auf das Geburtsjahr des Kindes an.

In Deutschland ist der Besuch des Kindergartens durchweg freiwillig. Die Einschulung in ein Schuljahr ist für alle Kinder vorgesehen, die vor einem bestimmten Stichtag sechs Jahre alt geworden sind. Dieser Stichtag ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Eine Schuleingangsuntersuchung stellt die Schultauglichkeit des Kindes fest.

Eine Besonderheit an polnischen Grundschulen wurde im Jahr 2007 eingeführt. Die Schüler sollten während des Schulbesuches eine Schuluniform tragen, deren Aussehen von der jeweiligen Schule festgelegt werden sollte. Diese Regelung hat sich jedoch nicht wirklich durchgesetzt, so dass heute die Schulen einzeln entscheiden, ob Einheitskleidung Pflicht ist.

In Polen müssen die Eltern komplett für die Schulmittel der Kinder, einschließlich der erforderlichen Bücher aufkommen. Dies ist vor allem für finanziell schlecht gestellte Familien ein echtes Problem. Laut Medienberichten unterstützt die polnische Regierung jedoch annähernd 500.000 Kinder aus den ärmsten Familien des Landes.
In Deutschland wurden ursprünglich alle Schulmittel vom Staat finanziert. Mehr und mehr müssen jedoch auch hier die Eltern die Schulbücher selbst kaufen.

Das polnische Schulsystem ist dreistufig aufgebaut. Die Schulpflicht beginnt seit September 2009 mit sechs oder sieben Jahren (ab 2012 Schulpflicht für Sechsjährige) mit der sechs Jahre andauernden Grundschule. Abgeschlossen wird diese Stufe mit einem Abschlusszeugnis.

In Deutschland heißt die Entsprechung Primarbereich oder Primärstufe und geht von der 1. bis zur 4. Klasse. Eine Ausnahme bilden die Länder Berlin und Brandenburg, in denen der Primarbereich sechs Jahre dauert.

 

Polen Bildung

Schulnoten in Polen:

6 – hervorragend
5 – sehr gut
4 – gut
3 – befriedigend
2 – ausreichend
1 – ungenügend

Schulferien 2009 / 2010 in Polen

Schulbeginn : 01.09.2009

Weihnachtsferien : 23 - 31 Dezember 2009

Winterferien :

18 Januar – 31 Januar 2010 Region:
Kujawsko-Pomorskie
Lubuskie
Małopolskie
Świętokrzyskie
Wielkopolskie

25 Januar – 07 Februar 2010 Region:
Podlaskie
Warmińsko-Mazurskie

01 Februar – 14 Februar 2010 Region:
Dolnośląskie
Mazowieckie
Opolskie
Zachodniopomorskie

15 Februar – 28 Februar 2010 Region:
Łódzkie
Śląskie
Lubelskie
Podkarpackie
Pomorskie

Osternferien : 01 - 06  April 2010

Abiturprüfungen : 04 - 28 Mai 2010

Sommerferien : 26 Juni - 31 August 2010

 

Der Vorteil des polnischen Schulsystems besteht hier eindeutig in der Länge der Orientierungsstufe und in der späten Festlegung auf einen Bildungsweg. Nachweislich kommt es in Deutschland zu häufigen Fehleinschätzungen, da die Kinder bereits mit ca. zehn Jahren auf eine Schullaufbahn festgelegt werden sollen. Der Beginn der Pubertät verfälscht oft das Leistungsniveau und führt oft zu Schulwechseln bei den deutschen Schülern. In Polen wird dieser Zeitpunkt durch die Einheit des Schulsystems weit nach hinten verlegt. Im Alter von ca. 15 Jahren ist die Pubertät zwar immer noch sehr präsent, aber die Schüler sind in der Lage, eine Selbsteinschätzung zu treffen und sie können begreifen, dass Einsatz erforderlich ist, will man bestimmte Ziele erreichen.

Nach der Grundschule besuchen polnische Schüler für drei Jahre das Gymnasium. Trotz der gleichen Begrifflichkeit ist diese Schulform nicht mit dem deutschen Gymnasium vergleichbar. In Polen entspricht diese Schulform, die für alle Schüler verpflichtend ist, in etwa der deutschen Sekundarstufe 1. Das polnische Gymnasium ist also eine Orientierungsstufe, die ebenfalls mit einem Abschlusszeugnis endet und in der sich die Schüler in drei Schuljahren über ihren weiteren Bildungsweg klar werden können. In Deutschland haben die Schüler je nach Bundesland und individueller Einschätzung durch die Lehrer eine Vielzahl von verschiedenen Möglichkeiten. Möglich sind nun der Wechsel auf die Hauptschule, die Realschule oder das Gymnasium mit jeweils unterschiedlichen Abschlüssen und Laufzeiten.

In den drei Jahren, die polnische Schüler auf dem Gymnasium verbringen, haben deutsche Schüler schon oft einen Schulwechsel hinter sich. In Deutschland wird die Zeit der Orientierung auf die verschiedenen Schulformen verteilt, was zu völlig unterschiedlichen Bildungsniveaus führt und eine wirkliche Orientierung erschwert.

Polnische Schüler haben nach Abschluss des Gymnasiums, also der polnischen Orientierungsstufe, die Auswahl zwischen drei weiterführenden Schulformen:
• Das Lyzeum mit einer Dauer von drei Jahren (Abitur)
• Die technische Oberschule mit einer Dauer von vier Jahren (Berufsausbildung mit Abitur)
• Die Berufsschule mit einer Dauer von zwei Jahren

Lyzeum und technische Oberschule schließen mit dem Hochschulreifezeugnis, der Matura, ab und qualifizieren für ein Studium an der Universität. Um diese Schulen besuchen zu können, müssen die Schüler am Ende des Gymnasiums eine bestimmte Mindestpunktzahl im Abschlusstest erreichen. Die Berufsschule ist praxisorientiert und bereitet auf einen später ausgeübten Beruf vor.

Im Gegensatz dazu gibt es in Deutschland viele unterschiedliche Möglichkeiten. Besuchen deutsche Schüler die Hauptschule, schließen sie nach der 9. Klasse mit dem Qualifizierten Hauptschulabschluss ab. Sie können anschließend versuchen, in einer besonderen 10. Klasse die Mittlere Reife, den nächsthöheren Bildungsabschluss zu erlangen. Realschüler beenden die Schule nach der 10. Jahrgangsstufe mit der mittleren Reife und haben dann die Möglichkeit, eine Fachoberschule zu besuchen, um die Fachhochschulreife zu erwerben.

Gymnasiasten schließen die Schule nach dem 13. Schuljahr mit dem Abitur und der allgemeinen Hochschulreife ab. Länderspezifisch gibt es noch verschiedene Sonderformen wie zum Beispiel Wirtschaftsschulen, Maschinenbauschulen und Gesamtschulen.
Im Gegensatz zu Polen findet in Deutschland durch die Dezentralisierung und die vielen verschiedenen Schulformen eine Selektion statt, die sich insgesamt eher negativ auf das Bildungsniveau der deutschen Schüler auswirkt. Hinzu kommen deutliche Niveau-Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern, die sich auch in Abschlussprüfungen unterschiedlichen Inhalts und unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade wiederspiegelt.

Nach den jeweiligen Abschlüssen können Schüler in beiden Ländern ein Studium beginnen. In Polen gibt es die Möglichkeit, nach Erlangung der Matura, die dem deutschen Abitur entspricht, entweder eine der staatlichen oder privaten Universitäten oder Fachhochschulen zu besuchen.

Beliebt ist in Polen auch die Durchführung eines Fernstudiums, das für viele Studiengänge angeboten wird. Fast die Hälfte aller polnischen Studenten absolvieren ihr Studium als Fernstudium. Wie auch in Deutschland, besteht das Jahr aus zwei Semestern, das Studentenleben in Polen ist recht straff gegliedert und ähnelt eher einem Schulbesuch. Seit der Bildungs-Reform im Jahr 1990 gibt es eine dreiteilige Gliederung des Studiums. Die Universitäten bieten drei- und vierjährige Studiengänge an, die mit dem Bachelor abschließen und durch einen zweijährigen Master-Studiengang ergänzt werden können. Daran angeschlossen kann ein Promotionsstudiengang werden, der zum Doktortitel führt.

Die polnischen Fachhochschulen enden mit den Abschlüssen "Licencjat" oder "Inźynier".
Seit 2005, das Jahr in dem in Polen das reformierte Abitur eingeführt wurde, werden die Studienplätze in Polen nicht mehr mittels Aufnahmeprüfung, sondern anhand der im Abitur erreichten Punkte vergeben. Dieses Verfahren entspricht der Vergabe nach Numerus Clausus in Deutschland.
In Deutschland sind die Möglichkeiten nach dem Abitur ähnlich aufgebaut. Allerdings sind Schüler, die mit der Fachhochschulreife abschließen, nicht berechtigt an der Universität zu studieren. Sie können einen der praxisorientierten Studiengänge an einer Fachhochschule wählen. Deutschland befindet sich im Moment in der Endphase der Umstellung von Diplom-Studiengängen zu den international anerkannten Bachelor- und Master-Studiengängen. Auch in Deutschland ist nach Abschluss des Hochschulstudiums ein postgraduales Studium möglich, in dem promoviert und der Doktortitel erreich wird.

Neben dem regulären Werdegang gibt es sowohl in Deutschland als auch in Polen noch Sonderformen von Schulen.
In Polen spielen nichtstaatliche Schulen schon immer eine große Rolle. Diese Schulformen werden meist von Vereinen, Stiftungen, Elternverbänden oder konfessionellen Organisationen getragen und sind kostenpflichtig, was gleichzeitig bedeutet, dass diese Schulen meist nur von Kindern wohlhabender Eltern besucht werden. Weitere Schulformen sind Förderschulen für behinderte Kinder und Sonderformen, wie zum Beispiel Sportschulen.

In Deutschland gibt es ebenfalls eine Vielzahl von alternativen Schulformen, Förderschulen für Behinderte, freie Schulen mit alternativen Lernansätzen und im Sekundarbereich spezifische Schulen, wie zum Beispiel Sportschulen, Musikschulen oder technische Schulen.

 

 

 

 
 
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