Polens Geschichte - Geschichte des
Landes Polen - Kurzfassung
Im Westen grenzt Polen heute an Deutschland, im Süden an Tschechien und
die Slowakei.
Polens Nordgrenze bilden die Ostsee (528
km) und Russland, im Osten grenzt das
Land an Weißrussland, Litauen und die
Ukraine. Als Datum der Gründung des christlichen
Staates wird die Taufe des polnischen
Prinzen Mieszko des Ersten im Jahr 966
gesehen. Dieses Ereignis fand mit großer
Wahrscheinlichkeit in der Stadt „Ratisbonne
(Regensburg) statt. Schon im Jahr 1025
wurde Polen durch die Krönung Bolesławs
des Ersten zum Königreich.
Polens Grenzen
990 bis zu der Gegenwart
Im Jahr 1386
wurde die polnisch-litauische
Personalunion gegründet, die 1569 in
eine Realunion umgewandelt worden ist.
Jeder neu gekrönte polnische König wurde
in dieser Zeit automatisch auch
Herrscher von Litauen.
Somit wurde Polen zum ersten modernen
Staat Europas mit einem
adelsrepublikanischen System und einer
Gewaltenteilung.
Die damalige Union zog, vor allem nach
der Verabschiedung der
Religionsfreiheit, viele in Westeuropa
wegen ihrer Religion verfolgte und
vertriebene Menschen an, wie Juden,
Hugenotten aus Frankreich, oder von der
spanischen Inquisition Verfolgte.
Die Adeligen in Polen genossen viel mehr
Freiheit und Privilegien als die im
Westen Europas.
Während dieser Zeit ( dem „goldenen
Zeitalter“) schwoll Polens Gebiet auf
fast 1 Millionen km² an. Polen wurde
damit zum größten Land in Europa.
Im siebzehnten Jahrhundert war die
Republik in viele Konflikte verwickelt,
wie den polnisch-schwedischen Krieg, den
polnisch-russischen Krieg, den Aufstand
der Kosaken sowie in wiederholte Kriege
gegen das Osmanische Reich.
Trotzdem konnte die polnische Armee
unter Johann III. Sobieski im Jahr 1683
die türkische Armee in der Schlacht von
Wien noch besiegen.
Polen wurde jedoch immer schwächer. Am
Ende des 18. Jahrhunderts wurden deshalb
Versuche unternommen, das Land zu
reformieren, und im Jahr 1791
verabschiedete Polen die erste
Europäische Verfassung: Die Verfassung
vom 3. Mai.
Diese Maßnahmen kamen leider zu spät.
Die Dritte Teilung Polens beendete 1795
die polnisch-litauische Realunion.
Ihre Territorien wurden für fast 120
Jahre unter Russland, Preußen und
Österreich aufgeteilt.
Formal entstand die Zweite polnische
Republik am 11. November 1918.
In den Jahren 1918-1921 wurde der
endgültige Verlauf von Polens Grenzen
festgelegt.
Zu den schwierigen Konflikten dieser
Zeit gehörte der gewonnene polnisch-
bolschewistische Krieg im Jahr 1919.
Dieser Krieg gilt als eine der
bedeutendsten Auseinandersetzungen der
Geschichte, weil mit der sowjetischen
Niederlage der Marsch der Kommunisten
nach Westeuropa gestoppt wurde.
Am 1. September 1939 wurde Polen von
Nazideutschland angegriffen.
In den ersten Wochen der Invasion durch
die Deutschen verlor Polen die große
Schlacht an der Bzura. Am 14. September
begann die deutsche Armee die Belagerung
von Warschau, am 17 September wurde
Polen auch von der roten Armee
angegriffen.
Dieser Angriff war das Ergebnis einer
geheimen Vereinbarung zwischen dem
Dritten Reich und der UDSSR.
Die Kämpfe dauerten bis zum 6. Oktober
1939. Am 28. September kapitulierte
Warschau.
Das polnische Gebiet wurde zwischen dem
Dritten Reich und der Sowjetunion
aufgeteilt.
Im Jahr 1944 überquerte die sowjetische
Armee die vor Kriegsbeginn existierende
polnische Grenze und stoppte erst vor
Warschau.
Erst nach über zwei Monaten und der
Niederschlagung des Warschauer
Aufstandes durch Hitlers
Besatzungstruppen setzte die sowjetische
Armee den Marsch nach Berlin fort, ohne
den Aufständischen zur Hilfe zu kommen.
Warschau wurde fast vollständig
zerstört.
Im Juni 1945 wurde durch die UDSSR eine
provisorische kommunistische Regierung
ins Leben gerufen, während die
westeuropäischen Länder am Anfang nur
die polnische Regierung im Exil
anerkannten. Polens Grenzen wurden stark
verändert.
Im Jahre 1952 änderte der polnische
Staat seinen Namen und wurde zur
Volksrepublik Polen. Gleichzeitig kam es
durch erhöhte Polizeipräsenz zu Terror
und der Verfolgung der Opposition, vor
allem bis zum Stalins Tod im Jahr 1953.
Nach mehreren Unruhen und Generalstreiks
in den Jahren 1956,1970,1980,1988 und
dem Zusammenbruch der Wirtschaft gelang
es der Aktivisten der Solidarnosc am 24.
August 1989, in Polen die erste
demokratische Regierung der
postkommunistischen Länder ins Leben zu
rufen.
Seit 1989 haben in Polen viele wichtige
Veränderungen und Reformen
stattgefunden.
Polen ist heute die sechstgrößte
Volkswirtschaft in der Europäischen
Union und belegt den 20. Platz in der
Weltwirtschaft.
Das Land entwickelt sich dynamisch und
kontinuierlich.
Im weltweiten Krisenjahr 2009 hat Polen
als einziges Land der EU ein
Wirtschaftswachstum von ca. 1,7 %
zustande gebracht.
Zurzeit gleicht Polen einer riesigen
Baustelle. Etwa 2000 km Autobahn und
5300 km Schnellstraße sollen bis Ende
2012 fertig gestellt werden.
Wer Polen besuchen möchte, sollte sich
auf keinen Fall einen Besuch in Krakau,
Danzig, Breslau, Malburg, Steten oder
Warschau entgehen lassen!
Polen ist ein vielseitiges Land und
verfügt neben seinen historischen
Bauwerken über 23 Nationalparks (8
wurden von der UNESCO zum
Biosphärenreservat erklärt), 122
Naturparks und unzählige Reservate.
Polens Geschichte - Geschichte des Landes Polen
- Epochen
Die erstmalig auftauchende Bezeichnung "Polen" wird im 10./11.Jh von ausländischen Chronisten benutzt und bedeutet auf deutsch so viel wie: Felder.
Die ersten menschlichen Spuren kann man auf polnischem Gebiet aus der Zeit des Paläolitikums (Steinzeit ca vor 180 000 Jahren) finden.
Seit etwa 1.600 Jahren v.u.Z. bewirkte ein Zustrom von Menschen aus den Dnepr- und Donaugebieten, daß an Stelle verstreuter verschiedenartigen Lebensformen, hier eine recht einheitliche Kultur entstand. Es ist die Trzciniec-Kultur, die in den meisten Gebieten Polens heimisch wurde und somit den Grund der darauffolgenden sogenannten Lausitzer Kultur bildete (1300-400 v.u.Z.).
Gleichzeitig, also gegen Ende des 1.Jahrtausends v.u.Z., gelangte ein slawischer Zweig des indoeuropäischen Stammes zwischen Wisla und Oder und verdrängte die dort lebenden Bewohner.
Die slawischen Stämme zerfielen in zwei Gruppen: in die westlichen Slawen (westlich von Wolhynien und den Dnestrquellen) und in die östlichen Slawen (Dnestr). Das Westslawentum wurde 1.- von Pommerschen Kultur beeinflußt und 2.- von der keltischen Kultur beeinflußt, die von den Westslawen im Laufe des 4. u. 3. Jahrhunderts v.u.Z. nach Schlesien und Kleinpolen gebracht wurde.
Im 1.Jahrhundert v.u.Z. ist bereits der Fluß Wisla auf römischen Karten eingetragen. Der Handel, vor allem mit Bernstein und Sklaven blühte. Die ersten 4 Jahrhunderte unserer Zeitrechnung werden auch als römische Epoche bezeichnet.
In dieser Zeit beginnt der Zerfall der Urgemeinschaft, die durch die Territorialgemeinschaft ersetzt wurde und die ersten primitiven politischen Organisationen beginnen sich zu herauszubilden. Das wurde noch durch den Druck fremder Stämme beschleunigt.
Im 4. - 6. Jahrhundert kommt es zu einer Bewegung der Slawen in die Territorien südlich der Karpaten und in das Elbegebiet.Schon im 8. und 9. Jahrhundert unterhielten die Gebiete des späteren Polens ständige Kontakte mit vielen Ländern des frühmittelalterlichen Europas (mit Franken, Skandinavien und der Ruß).
Die Piastendynastie
Im 7. bis 9. Jahrhundert war die Differenzierung der Gesellschaft auf polnischem Boden rasch vorangeschritten. Ein staatlicher Mittelpunkt von längerer Dauer entstand etwa Ende des 9.Jahrhunderts auf dem Gebiet Großpolens, das von dem Stamm Polanen besiedelt war. Der Hauptort der Polanen, Gniezno, wurde vermutlich Anfang des 8.Jahrhunderts erbaut. In dieser mächtigen Burgsiedlung herrschte die Piastendynastie.
Die Polanen erweiterten ihre Gebiete bedeutend, indem sie das Land zwischen Warta und Pilica bzw. der oberen Bzura eroberten und die Gebiete der Pommerellen, Masowien, Pomorze Gdanske ihrem Staat einverleibten. Die Vereinigung der oben genannten Gebiete wurde durch die Einheitlichkeit der wichtigsten kulturellen, ethnischen und sprachlichen Merkmale erleichtert.
Als Nachfolger seiner Vorfahren und uns der erste bekannte piastische Fürst (wahrscheinlich aus der 3. Generation ) ergreift 960 Mieszko die Macht über das Polanen Land (960 -992).
Die Christianisierung Polens
Im Jahr 966 folgt der Landesherr Polens dem Beispiel anderer slawischer Völker, sowie Ungarn und Skandinavien, die im 8. -10. Jahrhundert christlich getauft wurden. Polens Taufe (966) wurde durch die Ehe Mieszkos mit der böhmischen Prinzessin Dobrawa (965) erleichtert.
Das Jahr 966; der Taufakt stellt einen entscheidenden Moment in der Polnischen Geschichte dar. Es war ein Begin des Konsolidierungsprozesses, die Macht des Fürsten verbindet sich eng mit dem Kirchenapparat. Schon 968 erhielt das Piastenland einen Missionsbischof (er lies sich in Posen nieder).
Durch seine zweite Ehe mit der Tochter des deutschen Markgrafen, kann Mieszko ab 974 an den kaiserlichen Hoftagen teilnehmen und ab 986 galt er als Lehnsmann des Kaisers Otto des I. (Ob er weiter einen Tribut zahlen mußte, zu dem er sich nach einem zufälligem Zusammenstoß mit der Streitmacht des deutschen Markgrafen Gero, dem Kaiser verpflichtet hatte, wissen wir nicht)
990 festigt Mieszko die Verbindung zwischen dem Papsttum und Polen dadurch, daß er sein Land dem heiligen Petrus schenkte (d.h. dem Papst unterstellte). So fügte er, durch die Bindung an Kaiser und Papst, sein Land und damit das spätere polnische Volk in die vom römischen Christentum bestimmte westliche Welt ein.
Boleslaw der Tapfere (Chrobry) - Der 1. König Polens
Nach Mieszkos Tod (992) riß der älteste Sohn Boleslaw der Tapfere (Chrobry) das gesamte piastische Patrimonium an sich und so erreichte die piastische Macht unter seiner Herschaft ihr ersten Höhepunkt.
(Boleslaw Chrobry kaufte den Leichnam des verstorbenen böhmischen Bischofs Vojtech, in der deutschen Literatur als Adalbert bezeichnet, und ließ ihm in Gniezno beisetzen. Adalbert wurde zum Märtyrer erklärt und man erhob ihm zum Heiligen. So wurde durch die piastische Propaganda um den Kult des heiligen Adalbert, geschickt ein Glanz auf den Herrscher gestrahlt.)
Im Jahr 1000 kam der 19jährige Kaiser Otto der III. (starb 1002) mit großem Gefolge als westliches Oberhaupt der Christenheit und als Pilger zum Grab seines Freundes Adalbert, mit dem Wunsch die Reliquien des Märtyrers zu besitzen. (Er bekam eine Nachbildung der heiligen Lanze des Reiches.) Boleslaw gründet in Polen ein Erzbistum und mehrere Bistümer, was große politische und kulturelle Bedeutung hatte, denn er festigte damit die Einheit und Souveränität des Staates.
Während seiner Herrschaft, nahm Boleslaw der Tapfere das Milzener Land, die Lausitz und Meißen (1002) in Besitz und eroberte Böhmen. (Die drei große Kriege gegen die Ansprüche des deutschen Kaisers Heinrich des II. ;1004-1005, 1007-1013, 1015-1018; endeten erfolgreich für Polen mit dem Frieden von Bautzen. 1018 gelingt ihm durch den Feldzug in die Ruß, die berühmte Einnahme Kiews und die Angliederung der Tscherwenischen Burben (1018). Die Piasten-Familie ging durch Heiraten Verbindungen mit zahlreichen Familien ein und so errang der junge Staat einen bedeutenden Platz unter den europäischen Mächten (mit den Premisliden /Tch., Arpaden /Ung., Wettinern /D., Purikdynastie /Ruß., Erik v. Schweden, sogar mit der Nichte von Otto III..
Am Ende seines Lebens nutzte Boleslaw der Tapfere die unsichere Situation im Deutschland aus und krönte sich 1025 zum (1.) König.
Der Verlust der Königskrone in den Jahren 1033 - 1105
Nach Boleslaws Tod konnten seine Söhne die errungene Stellung die er erreichte nicht wahren, mußten die Krone (2. König=Boleslaws Sohn Mieszko II) abgeben und sich dem Kaiser wieder unterordnen (1033). 1038 überfiel Böhmen das Piastenland, entführte die kostbaren Reliquien des heiligen Adalbert und besetzten Schlesien. Ein heidnischer Volksaufstand verjagte die christliche Oberschicht und vernichtete die Kirche. Trotzdem erwies sich das, was Mieszko und Boleslaw geschaffen hatten als dauerhaft.
1050 gewann Kasimir der 'Erneuerer' sein Land, zuletzt auch Schlesien, mit der Unterstützung seiner Verbündeten zurück. Die Solidarität der christlichen Fürsten hatte es ihm ermöglicht, das Patrimonium der Piasten wiederherzustellen. Er hatte als seinen Hauptsitz Krakau gewählt, damit verlagerte sich das Schwergewicht Polens für mehr als 500 Jahre an die obere Weichsel, nach Kleinpolen (Krakowien und das Land Sandomir).
Zu Weihnachten 1076 versuchte sich zum drittenmal ein Piast die königliche Krone aufzusetzen. Als der Kaiser Heinrich IV. sich zum Gang nach Kanossa rüstete, ließ sich Boleslaw II. genannt der Kühne, ältester Sohn des 1058 verstorbenen Fürsten Kasimir, zum (3.) König krönen.
Der Streit zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt spielte sich nicht nur auf deutschem Boden ab, sondern griff auch nach Polen. Bald nach der Hinrichtung des Bischofs von Krakau verlor Boleslaw II infolge eines Aufstandes seine Krone.
Das Zeitalter der Teilung Polens in Provinzen ( Die Jahre 1106 - 1181 )
Boleslaws Nachfolger setzten das Werk der Christianisierung fort, strebten aber nicht mehr nach dem Königstitel. Boleslaw III genannt Schiefmund (1106 - 1138) gewann Pommern zurück und lies es 1135 christianisieren. Den Versuch eines Kompromisses zwischen dem Absolutismus der Dynastie der Piasten und der Dezentralisierung, die von den Feudalherren angestrebt wurde, sollte das Testament von Boleslaw III. darstellen. Auf diese Art sollten die Bruderkriege um die Macht beenden werden. Das Testament trat gleich nach Boleslaws Tod 1138 in Kraft.
Nach diese Senioratsverfassung sollte der jeweils Älteste des gesamten Hauses 'Senior' der Inhaber der Herrschaftsrechte (hinsichtlich Verwaltung, Gericht, Münze und Heerführung) sein und als unmittelbaren Besitz Krakowien, das südliche Großpolen und die Oberhoheit über Pommern erhalten. Das übrige Polen: Großpolen, Kleinpolen Schlesien und Masowien sollte unter die anderen Piasten aufgeteilt werden.
Das Fehlen einer Zentralgewalt schlug sich im Schicksal der Elbslawen nieder; Westpommern wurde zur Huldigung des Kaisers Friedrich Barbarossa (1181) gezwungen.
So begann in Polen das Zeitalter der Teilung in Provinzen. Wenn diese Territorien trotz ihrer Schwäche unabhängig blieben, so lag es u.a. daran, daß die Nachbarn Polens, das Römisch-Deutsche Kaiserreich und das Großfürstentum Kiew ebenfalls einen ähnlichen Auflösungsprozeß durchmachten und infolgedessen machtlos waren. Die für Europa charakteristische Zeit der feudalen Zersplitterung sollte auf Polnischem Boden fast 200 Jahre dauern.
Diese Zeit war gleichzeitig eine Zeit der wirtschaftlichen Wandlungen, die gesellschaftliche Veränderungen hervorbrachten. Es war ein Jahrhundert des Fortschritts, den man am demographischem Wachstum messen kann. Während die Bevölkerung Polens im Jahre 1000 nicht mehr als 1,25 Mill. Einwohner ausgemacht haben dürfte, ist aus den Registern des heiligen Stuhls (über die Abgaben des Peterspfennigs in Polen) zu ersehen, daß die Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 14 Jahrhundert 2 Mill. ergab. Dieser Zuwachs wurde hauptsächlich durch bessere ökonomische Bedingungen hervorgerufen und setzte mit Sicherheit im 12. Jahrhundert ein.
Anfang des 12.Jhd wurden an den Krakauer und Pariser Schulen hervorragende Schriftsteller ausgebildet. U.a. auch der Meister Wincenty dessen Chronik zu den Erscheinungsformen des europäischen Humanismus gehört. Der liturgische Gesang brachte die ältesten (jüngst in Handschriften wiederentdeckten) Musikwerke Polens hervor.