Die erstmalig auftauchende Bezeichnung "Polen" wird im 10./11.Jh von ausländischen Chronisten benutzt und bedeutet auf deutsch so viel wie: Felder.
Die ersten menschlichen Spuren kann man auf polnischem Gebiet aus der Zeit des Paläolitikums (Steinzeit ca vor 180 000 Jahren) finden.
Seit etwa 1.600 Jahren v.u.Z. bewirkte ein Zustrom von Menschen aus den Dnepr- und Donaugebieten, daß an Stelle verstreuter verschiedenartigen Lebensformen, hier eine recht einheitliche Kultur entstand. Es ist die Trzciniec-Kultur, die in den meisten Gebieten Polens heimisch wurde und somit den Grund der darauffolgenden sogenannten Lausitzer Kultur bildete (1300-400 v.u.Z.).
Polens Grenzen
990 bis zu der Gegenwart
Gleichzeitig, also gegen Ende des 1.Jahrtausends v.u.Z., gelangte ein slawischer Zweig des indoeuropäischen Stammes zwischen Wisla und Oder und verdrängte die dort lebenden Bewohner.
Die slawischen Stämme zerfielen in zwei Gruppen: in die westlichen Slawen (westlich von Wolhynien und den Dnestrquellen) und in die östlichen Slawen (Dnestr). Das Westslawentum wurde 1.- von Pommerschen Kultur beeinflußt und 2.- von der keltischen Kultur beeinflußt, die von den Westslawen im Laufe des 4. u. 3. Jahrhunderts v.u.Z. nach Schlesien und Kleinpolen gebracht wurde.
Im 1.Jahrhundert v.u.Z. ist bereits der Fluß Wisla auf römischen Karten eingetragen. Der Handel, vor allem mit Bernstein und Sklaven blühte. Die ersten 4 Jahrhunderte unserer Zeitrechnung werden auch als römische Epoche bezeichnet.
In dieser Zeit beginnt der Zerfall der Urgemeinschaft, die durch die Territorialgemeinschaft ersetzt wurde und die ersten primitiven politischen Organisationen beginnen sich zu herauszubilden. Das wurde noch durch den Druck fremder Stämme beschleunigt.
Im 4. - 6. Jahrhundert kommt es zu einer Bewegung der Slawen in die Territorien südlich der Karpaten und in das Elbegebiet.Schon im 8. und 9. Jahrhundert unterhielten die Gebiete des späteren Polens ständige Kontakte mit vielen Ländern des frühmittelalterlichen Europas (mit Franken, Skandinavien und der Ruß).
Die Piastendynastie
Im 7. bis 9. Jahrhundert war die Differenzierung der Gesellschaft auf polnischem Boden rasch vorangeschritten. Ein staatlicher Mittelpunkt von längerer Dauer entstand etwa Ende des 9.Jahrhunderts auf dem Gebiet Großpolens, das von dem Stamm Polanen besiedelt war. Der Hauptort der Polanen, Gniezno, wurde vermutlich Anfang des 8.Jahrhunderts erbaut. In dieser mächtigen Burgsiedlung herrschte die Piastendynastie.
Die Polanen erweiterten ihre Gebiete bedeutend, indem sie das Land zwischen Warta und Pilica bzw. der oberen Bzura eroberten und die Gebiete der Pommerellen, Masowien, Pomorze Gdanske ihrem Staat einverleibten. Die Vereinigung der oben genannten Gebiete wurde durch die Einheitlichkeit der wichtigsten kulturellen, ethnischen und sprachlichen Merkmale erleichtert.
Als Nachfolger seiner Vorfahren und uns der erste bekannte piastische Fürst (wahrscheinlich aus der 3. Generation ) ergreift 960 Mieszko die Macht über das Polanen Land (960 -992).
Die Christianisierung Polens
Im Jahr 966 folgt der Landesherr Polens dem Beispiel anderer slawischer Völker, sowie Ungarn und Skandinavien, die im 8. -10. Jahrhundert christlich getauft wurden. Polens Taufe (966) wurde durch die Ehe Mieszkos mit der böhmischen Prinzessin Dobrawa (965) erleichtert.
Das Jahr 966; der Taufakt stellt einen entscheidenden Moment in der Polnischen Geschichte dar. Es war ein Begin des Konsolidierungsprozesses, die Macht des Fürsten verbindet sich eng mit dem Kirchenapparat. Schon 968 erhielt das Piastenland einen Missionsbischof (er lies sich in Posen nieder).
Durch seine zweite Ehe mit der Tochter des deutschen Markgrafen, kann Mieszko ab 974 an den kaiserlichen Hoftagen teilnehmen und ab 986 galt er als Lehnsmann des Kaisers Otto des I. (Ob er weiter einen Tribut zahlen mußte, zu dem er sich nach einem zufälligem Zusammenstoß mit der Streitmacht des deutschen Markgrafen Gero, dem Kaiser verpflichtet hatte, wissen wir nicht)
990 festigt Mieszko die Verbindung zwischen dem Papsttum und Polen dadurch, daß er sein Land dem heiligen Petrus schenkte (d.h. dem Papst unterstellte). So fügte er, durch die Bindung an Kaiser und Papst, sein Land und damit das spätere polnische Volk in die vom römischen Christentum bestimmte westliche Welt ein.
Boleslaw der Tapfere (Chrobry) - Der 1. König Polens
Nach Mieszkos Tod (992) riß der älteste Sohn Boleslaw der Tapfere (Chrobry) das gesamte piastische Patrimonium an sich und so erreichte die piastische Macht unter seiner Herschaft ihr ersten Höhepunkt.
(Boleslaw Chrobry kaufte den Leichnam des verstorbenen böhmischen Bischofs Vojtech, in der deutschen Literatur als Adalbert bezeichnet, und ließ ihm in Gniezno beisetzen. Adalbert wurde zum Märtyrer erklärt und man erhob ihm zum Heiligen. So wurde durch die piastische Propaganda um den Kult des heiligen Adalbert, geschickt ein Glanz auf den Herrscher gestrahlt.)
Im Jahr 1000 kam der 19jährige Kaiser Otto der III. (starb 1002) mit großem Gefolge als westliches Oberhaupt der Christenheit und als Pilger zum Grab seines Freundes Adalbert, mit dem Wunsch die Reliquien des Märtyrers zu besitzen. (Er bekam eine Nachbildung der heiligen Lanze des Reiches.) Boleslaw gründet in Polen ein Erzbistum und mehrere Bistümer, was große politische und kulturelle Bedeutung hatte, denn er festigte damit die Einheit und Souveränität des Staates.
Während seiner Herrschaft, nahm Boleslaw der Tapfere das Milzener Land, die Lausitz und Meißen (1002) in Besitz und eroberte Böhmen. (Die drei große Kriege gegen die Ansprüche des deutschen Kaisers Heinrich des II. ;1004-1005, 1007-1013, 1015-1018; endeten erfolgreich für Polen mit dem Frieden von Bautzen. 1018 gelingt ihm durch den Feldzug in die Ruß, die berühmte Einnahme Kiews und die Angliederung der Tscherwenischen Burben (1018). Die Piasten-Familie ging durch Heiraten Verbindungen mit zahlreichen Familien ein und so errang der junge Staat einen bedeutenden Platz unter den europäischen Mächten (mit den Premisliden /Tch., Arpaden /Ung., Wettinern /D., Purikdynastie /Ruß., Erik v. Schweden, sogar mit der Nichte von Otto III..
Am Ende seines Lebens nutzte Boleslaw der Tapfere die unsichere Situation im Deutschland aus und krönte sich 1025 zum (1.) König.
Der Verlust der Königskrone in den Jahren 1033 - 1105
Nach Boleslaws Tod konnten seine Söhne die errungene Stellung die er erreichte nicht wahren, mußten die Krone (2. König=Boleslaws Sohn Mieszko II) abgeben und sich dem Kaiser wieder unterordnen (1033). 1038 überfiel Böhmen das Piastenland, entführte die kostbaren Reliquien des heiligen Adalbert und besetzten Schlesien. Ein heidnischer Volksaufstand verjagte die christliche Oberschicht und vernichtete die Kirche. Trotzdem erwies sich das, was Mieszko und Boleslaw geschaffen hatten als dauerhaft.
1050 gewann Kasimir der 'Erneuerer' sein Land, zuletzt auch Schlesien, mit der Unterstützung seiner Verbündeten zurück. Die Solidarität der christlichen Fürsten hatte es ihm ermöglicht, das Patrimonium der Piasten wiederherzustellen. Er hatte als seinen Hauptsitz Krakau gewählt, damit verlagerte sich das Schwergewicht Polens für mehr als 500 Jahre an die obere Weichsel, nach Kleinpolen (Krakowien und das Land Sandomir).
Zu Weihnachten 1076 versuchte sich zum drittenmal ein Piast die königliche Krone aufzusetzen. Als der Kaiser Heinrich IV. sich zum Gang nach Kanossa rüstete, ließ sich Boleslaw II. genannt der Kühne, ältester Sohn des 1058 verstorbenen Fürsten Kasimir, zum (3.) König krönen.
Der Streit zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt spielte sich nicht nur auf deutschem Boden ab, sondern griff auch nach Polen. Bald nach der Hinrichtung des Bischofs von Krakau verlor Boleslaw II infolge eines Aufstandes seine Krone.
Das Zeitalter der Teilung Polens in Provinzen ( Die Jahre 1106 - 1181 )
Boleslaws Nachfolger setzten das Werk der Christianisierung fort, strebten aber nicht mehr nach dem Königstitel. Boleslaw III genannt Schiefmund (1106 - 1138) gewann Pommern zurück und lies es 1135 christianisieren. Den Versuch eines Kompromisses zwischen dem Absolutismus der Dynastie der Piasten und der Dezentralisierung, die von den Feudalherren angestrebt wurde, sollte das Testament von Boleslaw III. darstellen. Auf diese Art sollten die Bruderkriege um die Macht beenden werden. Das Testament trat gleich nach Boleslaws Tod 1138 in Kraft.
Nach diese Senioratsverfassung sollte der jeweils Älteste des gesamten Hauses 'Senior' der Inhaber der Herrschaftsrechte (hinsichtlich Verwaltung, Gericht, Münze und Heerführung) sein und als unmittelbaren Besitz Krakowien, das südliche Großpolen und die Oberhoheit über Pommern erhalten. Das übrige Polen: Großpolen, Kleinpolen Schlesien und Masowien sollte unter die anderen Piasten aufgeteilt werden.
Das Fehlen einer Zentralgewalt schlug sich im Schicksal der Elbslawen nieder; Westpommern wurde zur Huldigung des Kaisers Friedrich Barbarossa (1181) gezwungen.
So begann in Polen das Zeitalter der Teilung in Provinzen. Wenn diese Territorien trotz ihrer Schwäche unabhängig blieben, so lag es u.a. daran, daß die Nachbarn Polens, das Römisch-Deutsche Kaiserreich und das Großfürstentum Kiew ebenfalls einen ähnlichen Auflösungsprozeß durchmachten und infolgedessen machtlos waren. Die für Europa charakteristische Zeit der feudalen Zersplitterung sollte auf Polnischem Boden fast 200 Jahre dauern.
Diese Zeit war gleichzeitig eine Zeit der wirtschaftlichen Wandlungen, die gesellschaftliche Veränderungen hervorbrachten. Es war ein Jahrhundert des Fortschritts, den man am demographischem Wachstum messen kann. Während die Bevölkerung Polens im Jahre 1000 nicht mehr als 1,25 Mill. Einwohner ausgemacht haben dürfte, ist aus den Registern des heiligen Stuhls (über die Abgaben des Peterspfennigs in Polen) zu ersehen, daß die Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 14 Jahrhundert 2 Mill. ergab. Dieser Zuwachs wurde hauptsächlich durch bessere ökonomische Bedingungen hervorgerufen und setzte mit Sicherheit im 12. Jahrhundert ein.
Anfang des 12.Jhd wurden an den Krakauer und Pariser Schulen hervorragende Schriftsteller ausgebildet. U.a. auch der Meister Wincenty dessen Chronik zu den Erscheinungsformen des europäischen Humanismus gehört. Der liturgische Gesang brachte die ältesten (jüngst in Handschriften wiederentdeckten) Musikwerke Polens hervor.